Design Thinking – Prozess, Methode oder Philosophie?

Design Thinking ist in den letzten Jahren in aller Munde, obwohl die Methode zur Innovationsentwicklung bereits vor mehr als einem Vierteljahrhundert erarbeitet wurde. Auch viele deutsche Unternehmen wenden Design Thinking mittlerweile zur Lösung komplexer Probleme an, um mit der Entwicklungs- und Anpassungsgeschwindigkeit von StartUps mithalten zu können.

Was ist eigentlich Design Thinking?

Kurzgefasst kann Design Thinking als agiler, kreativer Prozess zur Produkt-oder Serviceentwicklung definiert werden. Prägend ist eine Geisteshaltung, die den Nutzer und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellt. Ein Denken, das nicht neu ist, schließlich haben sich auch die Bauhaus-Bewegung Anfang des 20. Jahrhunderts oder die Hochschule für Gestaltung um Otl Aicher genau diesem Ansatz verschrieben.

Empathie wird als zentrale Haltung beim Finden neuer Lösungswege gesehen. Und dies nicht nur bei der Entwicklung neuer Produkte, sondern auch für Strategien und Services und ebenso in der Beratung und im Coaching. Schließlich geht es auch hier um die Erweiterung der (Handlungs-) Möglichkeiten über kreative Lösungswege.

Design Thinking wird sowohl als ein Prozess, wie auch als Methodensammlung und insbesondere als Haltung gesehen. Man muss kein Designer sein, um Design Thinking zu praktizieren. Denn es geht nicht darum, Produkte ästhetischer oder funktionaler zu gestalten, sondern schneller nutzerzentrierte Innovationen zu schaffen – im Rahmen der technischen Machbarkeit und der wirtschaftlichen Sinnhaftigkeit.

Der Ablauf

Ablauf Design-Thinking Prozess

Der Prozess ist durch eine klare Struktur definiert:

Zunächst wird die Situation genau analysiert, alle Facetten des Themas bzw. der Problemstellung werden beleuchtet (understand). Anschließend wird Fokus auf das Verständnis der Kundenbedürfnisse gelegt – Empathie ist also
gefragt (observe). Wenn man diese Fülle von Erkenntnissen gewonnen hat, wird daraus das eigentliche Kernproblem extrahiert (point of view). Oft stellt sich dabei heraus, dass das Kernproblem des Nutzers ein ganz anderes ist, als das Unternehmen erwartet hatte. Die strikte Trennung von Problemanalyse und Ideengenerierung verhindert eine vorschnelle Einengung des Denkens auf einen – oft – konventionellen , unternehmenstypischen Lösungsweg.

Sodann werden auf der Grundlage des Kernproblems viele Lösungsideen generiert (ideate) um eine oder einige der Ideen in Prototypen umzusetzen (prototype), der dann am Nutzer getestet wird (test).

In einem steten Wechselspiel zwischen Sammlung und Verdichtung werden möglichst vielfältigen Ideen generiert, die dann anschließend auf einige zielführende Gedanken fokussiert werden. So nähert man sich stetig zunächst dem Problem und dann der Lösung. Diese Lösung wird dann sehr schnell in Prototypen umgesetzt, um anschließend mit den Zielgruppen getestet werden.

Da es sich hierbei um einen iterativen Prozess handelt, werden immer wieder Schleifen gedreht, jeder Schritt kann (theoretisch) unendlich oft wiederholt werden  – solange bis das Ergebnis zufriedenstellend ist. Das Motto dabei ist: „Fail fast! And learn“  – also eine explizite Fehlerkultur. Denn schließlich wird bereits am Prototypen getestet und daraus werden wichtige Erkenntnisse gezogen, nicht erst nach langwieriger und kostenintensiver Entwicklungszeit.

Bekannte Methoden kommen zum Einsatz

In allen Phasen kommen Methoden zum Einsatz, die bereits schon aus anderen Bereichen bekannt sind, wie z.B. qualitative Interviews, Mindmapping, Brainstorming, 4-Felder Matrix etc.

Von zentraler Bedeutung ist dabei, dass die festgelegten Zeitkorridore eingehalten werden. Dabei soll Visual Thinking, das Denken in Bildern, helfen. Eine Devise des Design Thinkings ist: „Besser schnell zeichnen oder bauen statt lange diskutieren“.

Die Prototypen für das neue Produkt oder den innovativen Service können je nach Aufgabenstellung ganz unterschiedlicher Art sein: Von Storyboards für Services über Wireframes oder Legokonstruktionen bis hin zu Pilotveranstaltungen oder Rollenspielen. Alles, was sich dazu eignet schnell ein Feedback der Zielgruppe zu erhalten und daraufhin den Prototypen zu optimieren.

Nutzerzentriertes Denken, interdisziplinäre Team und kreatives Umfeld

Neben dem nutzerzentrierten Denken sind eine interdisziplinäre Teamstruktur ohne Hierarchien und eine räumliche Infrastruktur, die Platz für neue Ideen lässt, die prägenden Kennzeichen von Design Thinking. Es bedarf also einer offenen, flexiblen und wertschätzenden Unternehmenskultur. In einem erstarrten  Unternehmen, in dem Ideen abseits des bisherigen Denkens nicht honoriert werden und niemand sich traut auch mal Fehler zu zugeben oder auf Missstände hinzuweisen, wird Design Thinking nicht funktionieren. Dies ist wohl ein Grund, warum viele große Unternehmen StartUps aufkaufen oder Innovationslabs jenseits der Konzernzentralen gründen. Ob dies den gewünschten Innovationseffekt auch längerfristig bringt, wird sich zeigen.

Erfahren Sie mehr über die Anwendung von Methoden aus dem Design-Thinking für die Entwicklung zielgruppengerechter Compliance-Kommunikation-Maßnahmen.

Mehr Infos

Designers – think big:  ein Video des „Gurus des Design Thinkings“ Tim Brown.

Design for Action: Ein Artikel  von Tim Brown und Roger L. Martin über Design Thinking in der Schwerpunktausgabe des Harvard Business Journal von 2015

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